Ana-Stuff

Als gute Ana hast Du ja sicherlich schon vom Ana-Stuff gehört. Die zwei wichtigsten, die Du auf jeden Fall kennen musst, sind Ana’s Brief und die 10 Gebote. Schauen wir sie uns mal an (wir gönnen uns eine kleine Kommentierung ):

Die 10 Gebote

  • Wenn ich nicht dünn bin, bin ich nicht attraktiv. (denn Attraktivität hängt nur davon ab, sowas wie Charakter zählt nicht, und außerdem hat jeder Mensch den selben Geschmack)
  • Dünn sein ist wichtiger als gesund sein! (denn kranke Menschen sehen toll aus, und Personen, die vor Schwäche kaum noch stehen können, haben echt was vom Leben)
  • Ich muss alles geben um dünner zu sein! (denn auf Spaß, Lebenslust, Freunde und Hobbys verzichtet man gerne)
  • Ich darf nicht essen ohne mich schuldig zu fühlen. (denn das ist böse, auch wenn es alle normal finden, man ist ja nicht alle, und irgendwann finden wir vielleicht auch noch einen Grund wieso das für uns etwas böses ist)
  • Die Anzeige der Waage ist immer das wichtigste! (denn wen interessieren Freude, Zufriedenheit, Leistungen oder Charakter wenn es doch die Anzeige der Waage gibt)
  • Du bist niemals zu dünn… nie! (denn extrem hervorstehende Knochen sehen an Personen, die fast tot sind, einfach toll aus)
  • Ana ist ein Zeichen von Selbstkontrolle und Disziplin! (denn sowas kann man sich prima einreden, wenn man nicht zugeben will dass man bei lauter Angst vor Essen und Zunahme keine Kontrolle über sein Essverhalten mehr hat)
  • Ich darf nicht essen ohne Gegenmaßnahmen zu ergreifen! (denn sonst könnte es passieren dass der Körper etwas weniger leidet, und man will ja eben leiden)
  • Ich muss Kalorien zählen und meine Nahrungszufuhr dementsprechend gestalten. (denn andere Beschäftigungen machen keinen Spaß im Vergleich mit Kalorien zählen)
  • Zunahme ist schlecht, Abnahme ist gut. (denn Schwarz/Weiß-Denken ist viel einfacher als ernsthaftes nachdenken)

Ana’s Brief

Erlaubt mir, mich selbst vorzustellen. Meine Name - oder wie mich die sogenannten Ärzte nennen - ist Anorexia. Anorexia Nervosa ist mein voller Name, aber du kannst mich Ana nennen. Hoffentlich werden wir gute Freunde (toll, eine fiktive Freundin).
(…)
Deine Freunde verstehen dich nicht (komisch, woher kennt Ana denn deine Freunde?). Sie sind nicht ehrlich. Früher, als die Unsicherheit an dir genagt hat und du sie gefragt hast: ‘Sehe ich… fett aus?’ und sie antworteten ‘Oh nein, natürlich nicht!’ wusstest du, dass sie lügen (hat nicht jeder diese Unsicherheit?). Nur ICH sage dir die Wahrheit (denn eine fiktive Freundin weiß alles und hat immer Recht). Deine Eltern - lass uns nicht davon reden!! Du weißt, dass sie dich lieben und auf dich achten, aber sie sind deine Eltern und deshalb müssen sie so handeln (also müssen sie dich lieben? kann man Liebe erzwingen? Hm…). Ich erzähl dir jetzt mal ein Geheimnis: Tief in deren Inneren sind sie enttäuscht von dir. Aus ihrer Tochter ist ein fettes, faules Mädchen geworden, das all das, was es hat, nicht verdient hat (Wieso? Weil es angeblich “fett” ist? Irgendwie ist Ana’s Argumentation ziemlich… dürftig). Aber ich bin gerade dabei, das zu ändern. Ich erwarte viel von dir. Du darfst nicht mehr viel essen. Ich fange langsam an: Reduzierung der Fettaufnahme, lesen der Nährwertangaben, kein Junk Food mehr und so weiter (toll, sich grad neu anfreunden und schon Forderungen stellen!).
Für ne Weile werden die Aufgaben recht simpel sein. (…) Aber es wird nicht lange dauern, da werd ich dir sagen, dass das nicht genug ist. Ich werde von dir erwarten, die Kalorienzufuhr zu verringern und gleichzeitig Übungen zu machen. Ich werde dich an deine Grenzen treiben (wie nett! Welche Freundin stellt denn Erwartungen, Forderungen und treibt einen an die Grenzen!?).
(…)
Schon bald werde ich immer bei dir sein (Privatsphäre?). Ich bin da, wenn du morgens aufwachst und zur Waage rennst. Die Zahlen werden beides - Freund und Feind. Und mit rasenden Gedanken betest du, dass sie niedriger sind als gestern Morgen (das hört sich ja sehr… schön… an…).
(…)
Ziemlich bald werde ich dir nicht nur sagen, was du mit Essen machen sollst, sondern auch was du die GANZE Zeit über machen sollst (toll, Vorschriften, sowas macht ja Spass). Lächle und nicke. Zeige dich von deiner guten Seite. Schlage auf diesen fetten Bauch, verdammt; Gott bist du eine fette Kuh!! (ja, sowas hört man gerne von seiner Freundin)
(…)
Ich zwinge dich, Models aus Modemagazinen anzustarren (Zwang, juhu!). Ich lasse dich erkennen, dass du nie wie sie sein kannst (hm… wieso nicht? Sollte eine Freundin nicht einen ermutigen?). Du wirst immer fett und nie so schön wie sie sein (ah ja… und wieso sollte man sich dann Mühe geben, wenn man eh immer “fett” sein wird?). Wenn du in den Spiegel blickst, werde ich dir das Bild verzerren (danke). Ich werde dir Fettleibigkeit und Scheußlichkeit zeigen (nochmal danke). Ich werde dir einen Sumo-Ringer zeigen, wo in Wirklichkeit ein hungerndes Kind ist (was hat man davon, einen Sumo-Ringer zu sehen, wenn man ein hungerndes Kind ist?). Aber du musst das glauben, denn wenn du die Wahrheit kennen würdest, könntest du wieder anfangen zu essen und unsere Beziehung würde zerbrechen (wieso muss man das glauben? Um Ana’s Freundin sein zu dürfen? Toll…).
Ich zwinge dich ins Badezimmer, auf deine Knie, du starrst ohne Gefühl in die Kloschüssel. Deine Finger werden in Deinen Rachen gesteckt und nicht ohne eine große Menge Schmerz wird dein Essen rauskommen (Zwang… Schmerz… zum verlieben!). Wieder und wieder wird das wiederholt, bis du Blut und Wasser spuckst und du weißt, dass alles raus ist (Blut spucken ist bestimmt unterhaltsam). Wenn du aufstehst wird dir schwindelig sein. Werde nicht ohnmächtig! Stehe aufrecht! Du fette Kuh, du verdienst es, Schmerzen zu haben (na, wenn die fiktive Freundin das sagt, wird es bestimmt stimmen, oder?).
Vielleicht entscheide ich mich bald anders, um dich von dem Gefühl der Ertappung zu befreien. Vielleicht bringe ich dich dazu, Abführmittel zu nehmen und du wirst bis in die frühen Morgenstunden auf dem Klo sitzen, mit einem drückenden Gefühl in dir (hört sich nett an, oder nicht?). Oder vielleicht bringe ich dich dazu, dich selbst zu verletzen, deinen Kopf vor eine Wand zu schlagen, bis du schreckliche Kopfschmerzen bekommst (das ist wahre Freundschaft!). Ritzen ist genau so effektiv. Ich will, dass du dein Blut siehst, wie es deinen Arm runterläuft, und in diesem Bruchteil der Sekunde wirst du merken, du verdienst ihn, egal welchen einen Schmerz ich dir gebe (ja, wahre Freunde wollen so etwas, oder etwa nicht!?).
(…)
Gedanken der Wut, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Einsamkeit können sich verziehen, denn ich fülle deinen Kopf mit dem Kalorienzählen (ist sicher besser als Probleme zu lösen). Ich vernichte den Kampf, um mit anderen Kindern deines Alters Zeit zu verbringen (denn niemand mag Freunde haben, jeder will einsam sein!). Denn jetzt bin ich deine einzige Freundin (ein echter Gewinn, ganz sicher, geht ja aus dem netten Brief hervor).
(…)
Mit freundlichen Grüßen,
Ana
(Fragt sich nur noch: Wieso sollte man so eine “Freundin” wollen?)